Website-Icon FriMaLiJoAm – Weltreise mit drei Kindern

Ouarzazate- Filmreif

Das mit dem Frühstück müssen die Kollegen in Marrakesch noch üben, glücklicherweise hatten wir heute etwas mehr Zeit. Vielleicht liegt an der Kultur oder an der Besitzerin, die alles frisch zubereitet haben möchte- könnte auch an beidem liegen. Es dauerte 45 Minuten bis etwas zu Essen auf dem Tisch angekommen war und bei den Heißgetränken ist keine Zeit zu erheben, am Ende hat sich Marc seinen Kaffee im Zimmer schnell gemacht. Geschmeckt hat es aber sehr gut. Merksatz für weitere Reisen: „Bei Neueröffnungen kann es immer zu Service Schwierigkeiten kommen!“ –  Auch nicht wirklich neu!

Von diesem Bild zu diesem war eine Stunde vergangen – genau das Richtige für Marc!

Nach etwas im Bauch war das Ganze schnell vergessen und ab ging es auf die Tour Richtung Süd- Osten. Es gab einen deutlich entspannteren Weg zu unserem Parkplatz und glücklicherweise haben diesen heute auch gefunden und so waren wir Ruck Zuck raus aus Marrakesch.

Es ging über die Dörfer immer weiter Richtung Atlas Gebirge. Die Landschaft wurde deutlich hügeliger und auch ärmer. Viele Bauern waren zu den Märkten der Region unterwegs, mal mit Autos, mal mit den vielen Mopeds.

Zwischendurch war mal eine Straße gesperrt, da eine Gerölllawine den Weg versperrte, aber glücklicherweise gab  es immer eine kleine Nebenstrasse, die den Weg freimachte.

An den Straßen gab es immer wieder kleine Stände und Märkte, die ihre Waren anboten. Wir hatten keine Ahnung wie diese wirklich Geld verdienten, viel los war bei keinem.

Der Ausblick auf das Gebirge war schon irre. Je näher wir jedoch den Bergen kam, umso regnerischer wurde es. Lilian stellte fest, dass dies ein sogenannter „Steigungsregen“ sei, was auf La Reunion auch immer wieder vorkam und ganz oben am Pass angekommen regnete es auch richtig.

Es ging über den Tizi n’Tichka Pass , einer der eindrucksvollsten Straßenabschnitte Marokkos – eine serpentinenreiche Verbindung zwischen Marrakesch und Ouarzazate, die sich durch die Hohen Atlasberge windet. Mit 2.205 Metern Höhe ist er der höchste bedeutende Straßenpass Nordafrikas. Die Straße wurde bereits 1936 von der französischen Militärverwaltung entlang alter Karawanenwege angelegt und dient bis heute als Hauptzugang Richtung Südmarokko und Sahara. Der Pass gilt als „Tor zur Wüste“, denn nach den grünen Tälern und schroffen Felsen der Atlasregion öffnet sich dahinter die karge Landschaft des Südens.

Unser Ziel war Ait Ben Haddou, was kurz vor unserem abendlichen Zielort lag.

Wenn man das erste Mal auf Ait Ben Haddou blickt, wirkt es wie eine Fata Morgana: ein ganzes Dorf aus rotbraunem Lehm, das sich an einen Hügel schmiegt und im Sonnenlicht zu glühen scheint. Diese alte Ksar‑Siedlung, bestehend aus traditionellen Lehmbauten, liegt am Rand des Hohen Atlas und gehört heute zum UNESCO‑Weltkulturerbe. Ihre Lage an alten Karawanenrouten machte sie einst zu einem wichtigen Zwischenstopp zwischen Marrakesch und der Sahara.

 

Der Weg zu den Kasbahs war aufgrund des vielen Regens etwas abenteuerlicher, aber auch sehr authentisch.

Die Architektur ist typisch für die Region: mehrstöckige Kasbahs, ornamentale Fassaden, schmale Gassen und eine beeindruckende, fast märchenhafte Silhouette. Genau diese Kulisse hat dafür gesorgt, dass Ait Ben Haddou in unzähligen Filmen und Serien auftaucht – von Gladiator und Die Mumie bis hin zu Game of Thrones. Er  ist dadurch zu einem absoluten Touristenmagneten geworden und die Menschen kommen Busse weise an. Wir war eher, die die nach dem großen Auflauf kamen.

 

Der Aufstieg zur höchsten Kasbah lohnte sich: Von oben blickt man über das gesamte Dorf, den Fluss Ounila und die weite, wüstenhafte Umgebung. Ein Ort, der nicht nur Geschichte erzählt, sondern sich anfühlt wie ein natürlicher Filmset – echt, beeindruckend und zeitlos.
 

Ein Tee und Kaffee auf der Dachterrasse war noch drin, bevor es weiter ging.

Auf dem Weg nach Ouarzazate passierte uns etwas, das viele Marokko‑Reisende kennen: eine spontane Polizeikontrolle. Wir hatten schon mindestens 20 dieser Kontrollen auf der Reise  passiert. Fahrzeugpapiere, Führerschein! Der Beamte behauptete, Marc hätte ein Stoppschild überfahren – ein Vorwurf, den wir so nicht nachvollziehen konnte. Die Strafe sollte 400 Dirham betragen. Marc musste erst einmal aussteigen!

Als Marc nachfragte, um zu verstehen was er da nun unterschreiben solle, reduzierte sich der Betrag plötzlich auf 200 Dirham. Genau dieser schnelle Preisverfall verriet eigentlich schon alles: höchstwahrscheinlich kein offizielles Ticket, sondern eine Gelegenheit, schnell und unkompliziert Geld zu kassieren.

Solche Situationen passieren anscheinend  immer wieder, vor allem auf stark befahrenen Strecken oder in der Nähe größerer Städte. Man wird nicht bedroht oder ernsthaft bedrängt, aber es fühlt sich ein wenig an wie ein Spiel, dessen Regeln man nicht kennt und das man kaum gewinnen kann.  Die Lektion für uns: Ruhe bewahren, höflich bleiben und ein paar Dirham bezahlen! 

Stoppschilder scheinen aber weiterhin ein Thema bei Marc zu  bleiben, auch in Amerika wurde er Mal aufgrund eines solchen Vergehens angehalten.

Kurz nach der Kontrolle kamen wir auch in Ouarzazate an, bzw. in den Atlas Filmstudios.

Kaum irgendwo fühlt sich Filmgeschichte so greifbar an wie in den Atlas Filmstudios in Ouarzazate. Gleich hinter der Stadtgrenze, rund 5 km westlich, beginnen die gigantischen Wüstensets, die seit Jahrzehnten Hollywood‑Produktionen anziehen. Die Studios wurden 1983 vom Unternehmer Mohamed Belghmi gegründet und gehören heute zu den größten Filmstudios der Welt – ein Mix aus echtem Wüstenland und riesigen Backlots, bei denen man kaum sagen kann, wo das Studio endet und die Sahara beginnt.

Bereits 1962 wurde das Gebiet erstmals filmisch genutzt, damals für Lawrence of Arabia. Ab den 80ern entwickelten sich die Atlas Studios zu dem, was Ouarzazate heute den Spitznamen „Ouarzawood“ oder „Hollywood of Africa“ eingebracht hat.

 

Ein Guide führte uns über das weitläufige Gelände, hier stehen bis heute Kulissen aus Welterfolgen wie Gladiator, The Mummy, Kundun, Asterix & Obelix, Prince of Persia, Game of Thrones und vielen Bibel- und Wüstenfilmen. Hier mal eine Liste der Filme die hier gedreht wurden, den ein oder anderen hat man schon einmal gesehen:

Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil (1985) James Bond 007 – Der Hauch des Todes (1987) Die letzte Versuchung Christi (1988) Himmel über der Wüste (1990)Land der schwarzen Sonne (1990) Kundun (1997)Der Legionär (1998)Die Mumie (1999)Gladiator (2000)Black Hawk Down (2001)Asterix & Obelix: Mission Kleopatra (2002)Alexander (2004)Königreich der Himmel (2005)Babel (2006)The Hills Have Eyes (Remake) (2006)Lawrence of Arabia (Teile, 1962)Der Hauch des TodesPrince of Persia: Der Sand der Zeit (2010)Game of Thrones (Teile von Astapor/Yunkai) Prison Break – Ben Hur

Wir tauchten also tief ein in die Filmwelt. 

An einer Stelle konnten wir uns mit anderen Statisten sogar verkleiden und in eine Filmszene eintauchen!

Man fragt sich natürlich warum gerade hier ein Filmstudio? Zum einen, kaum irgendwo sonst liegen so viele verschiedene Welten so nah beieinander: karge Felsmassive, weite Steinwüsten, Lehmdörfer wie Ait Ben Haddou, Oasen, Berge, flaches Wüstenland. Filmemacher finden hier Jerusalem, Tibet, Rom, Ägypten und Fantasy‑Welten, ohne Marokko zu verlassen.. Licht & Wetter, wie ein Studio sie liebt mehr als 300 Sonnentage im Jahr. Trockenes Klima. Klare Sicht. Genau das ideale Licht für Außenaufnahmen. Und drittens Viel Platz & Raum für Großes. Das Gelände der Atlas Studios erstreckt sich über riesige, offene Flächen, auf denen ganze Städte nachgebaut wurden: römische Straßen, tibetische Klöster, ägyptische Tempel. Und vieles steht noch heute – perfekt für neue Produktionen

Die Tour dauerte länger als gedacht und wir hatten noch 30 Minuten zum Hotel.  Das Guest house Les Tourmalines.  Etwa 20 Kilometer außerhalb von Ouarzazate, mit weitem Blick über den El‑Mansour‑Eddahbi‑See, liegt das Guest House. Amei hatte sich bei Recherche deutlich für dieses Haus ausgesprochen und dafür gab es nur einen Grund: Ein großer Infinity‑Pool direkt über dem See! Er war noch cooler als gedacht!

Leider war er soooooo kalt! Davon ließ Amei sich aber nicht aufhalten! Badeanzug an und Marc kam erst einmal mit. Marc schaffte es bis zu den Knien, aber Amei war tapfer ging schwimmen! 

Was für ein Ausblick!!

Im Berberzelt, neben dem Pool, gab es im Anschluss an eine Heiße Dusche das Abendmenü. Es war super gut und flott. Ein Berberomlett vorweg und Rinderfilet am Spieß zum Hauptgang. Ein super Abschluss eines filmreifen Tages.

Leider fahren wir morgen wieder weiter, das Guest House ist absolut zu empfehlen!! Gute Nacht für heute!

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